Kleintiere

Degus als Haustiere: Für wen die geselligen Nager passen

Degus als Haustiere sind tagaktiv, gesellig und neugierig, aber keine Kuscheltiere. Für wen sie passen und was Gehege und Futter leisten müssen.

Sophie Albers

15. Okt. 2026

9 Min.

Neugieriger Degu sitzt auf einem Ast: Degus als Haustiere lieben das Klettern

Degus als Haustiere sind in Deutschland noch vergleichsweise selten, gewinnen aber stetig an Beliebtheit. Die kleinen Nager aus Chile sind tagaktiv, neugierig und verständigen sich mit einer erstaunlichen Vielfalt an Lauten. Wer ihnen beim Graben, Klettern und gegenseitigen Putzen zusieht, versteht schnell, warum sie so faszinieren.

Gleichzeitig sind Degus anspruchsvoll. Sie brauchen Artgenossen, ein großes und nagefestes Gehege und eine streng zuckerfreie Ernährung. Kuscheltiere sind sie nicht, und für kleine Kinder eignen sie sich kaum.

Ob Degus als Haustiere zu dir passen, hängt also weniger vom Wunsch nach einem niedlichen Tier ab als von Platz, Zeit und Geduld. Wer die Bedürfnisse vorab kennt, erspart sich und den Tieren viele Enttäuschungen.

Kurz gesagt: Degus als Haustiere eignen sich für geduldige Jugendliche und Erwachsene, die tagaktive Nager gern beobachten. Sie leben nie allein, sondern mindestens zu zweit, brauchen ein großes, nagefestes Gehege mit Ebenen, Buddelbereich und Sandbad und vertragen keinen Zucker. Kuscheln und Herumtragen mögen Degus nicht.

Steckbrief: Was Degus besonders macht

Der Degu stammt aus Chile, wo er in kargen, trockenen Landschaften in Kolonien lebt. Er gehört zu den Trugratten und ist näher mit Meerschweinchen und Chinchillas verwandt als mit Ratten oder Mäusen. Mit seinem bräunlichen Fell und dem Schwanz mit Haarquaste wirkt er fast wie eine Mischung aus Maus und Eichhörnchen.

  • Herkunft: Chile, trockene Buschlandschaften und Hänge
  • Aktivität: tagaktiv, mit Ruhephasen in der Mittagszeit
  • Sozialverhalten: lebt in Familiengruppen, Einzelhaltung gilt als nicht artgerecht
  • Lebenserwartung: meist etwa fünf bis sieben Jahre
  • Zähne: wachsen lebenslang nach, gesunde Nagezähne sind kräftig gelb bis orange
  • Besonderheit: neigt bei zuckerhaltiger Ernährung zu Diabetes

Diese Eigenschaften machen Degus als Haustiere spannend, aber auch anspruchsvoll. Wer sich für sie entscheidet, plant für viele Jahre und für mindestens zwei Tiere.

Degus aus dem Tierschutz

Viele Degus landen im Tierheim, weil sich Halter über Lebensdauer, Platzbedarf oder Nachwuchs getäuscht haben. Tierschutzvereine und Kleintierhilfen vermitteln oft bereits eingespielte Paare oder Gruppen. Das erleichtert den Start erheblich, weil die schwierige Zusammenführung entfällt.

Wer Degus als Haustiere aufnehmen möchte, bekommt dort zudem ehrliche Beratung zu Charakter und Gesundheit der Tiere. Viele Vermittler schauen sich vorab das geplante Gehege an und geben Tipps zur Einrichtung.

Degus als Haustiere: Niemals allein halten

Degus sind ausgesprochen soziale Tiere. Sie putzen sich gegenseitig, kuscheln beim Schlafen und kommunizieren ständig über Pfiffe, Quieken und Zwitschern. Die Bundestierärztekammer warnt in ihrer Information zu Degus als Heimtieren, dass ein einzeln gehaltenes Tier rasch verkümmert.

Halte deshalb mindestens zwei Degus, gern auch eine kleine Gruppe. Bewährt haben sich gleichgeschlechtliche Paare oder Gruppen, idealerweise Geschwister, sowie ein kastriertes Männchen mit mehreren Weibchen. Unkastrierte Pärchen vermehren sich schnell, denn Degus werden bereits mit etwa drei Monaten geschlechtsreif.

Neue Degus zusammenführen

Fremde erwachsene Degus zusammenzubringen, ist oft schwieriger als bei Meerschweinchen. Die Tiere verteidigen ihre Gruppe und ihr Revier deutlich. Plane dafür neutrales Gelände, viel Zeit und gegebenenfalls fachkundige Unterstützung ein.

Die Grundprinzipien ähneln denen, die du auch beim Meerschweinchen vergesellschaften beachtest. Wer Degus als Haustiere hält und eine Gruppe ergänzen möchte, sollte sich vorab bei erfahrenen Haltern oder Tierschutzvereinen beraten lassen.

Degus als Haustiere brauchen ein hohes Gehege mit Ästen und Ebenen
Degus klettern gern, das Gehege braucht mehrere Ebenen. Foto: Joshua J. Cotten / Unsplash

Das richtige Gehege für Degus

Degus sind Kletterkünstler und leidenschaftliche Nager. Das Gehege muss daher hoch, geräumig und vor allem nagefest sein. Kunststoffwannen, dünnes Aluminium und unbehandelte Holzkanten werden in kurzer Zeit zerlegt.

Die Bundestierärztekammer nennt für zwei Tiere ein Mindestmaß von 100 × 50 × 100 cm. Viele Tierschutzorganisationen empfehlen inzwischen deutlich mehr, mit mehreren Ebenen und einer Grundfläche von insgesamt bis zu 2 m². Mehr Raum bedeutet weniger Stress und mehr natürliches Verhalten.

  • Material: Glas, Metall oder stabile Kombinationen aus Glas und Volierengitter
  • Ebenen: mehrere stabile Etagen mit sicheren Übergängen, keine hohen Fallstrecken
  • Einstreu: tiefe Schicht zum Graben, gemischt mit Heu und Stroh
  • Laufrad: geschlossene Lauffläche mit mindestens 30 cm Durchmesser
  • Sandbad: Schale mit Chinchillasand, niemals Vogelsand
  • Näpfe: schwere Keramik, die nicht umgeworfen oder angenagt werden kann
  • Häuschen: aus unbehandeltem Holz oder Ton, mit mehreren Eingängen

Standort und Temperatur

Stelle das Gehege an einen hellen, ruhigen Platz ohne Zugluft und ohne direkte Sonne. Degus stammen zwar aus einem warmen Land, vertragen aber Hitze schlecht. Im Sommer achtest du deshalb auf einen kühlen Raum und ausreichend Schatten im Gehege.

Ernährung: Warum Zucker für Degus tabu ist

Der Verdauungstrakt von Degus ist auf karges, rohfaserreiches Futter eingestellt. Zuckerhaltige Nahrung kann bei ihnen Diabetes auslösen, der häufig zu Linsentrübung und Erblindung führt. Wer Degus als Haustiere hält, muss deshalb besonders konsequent auf zuckerfreies Futter achten.

Die Basis bildet hochwertiges Heu, das jederzeit verfügbar ist. Dazu kommen getrocknete Kräuter, frische Gräser und Kräuter wie Löwenzahn und Spitzwegerich, Zweige mit Blättern von Obstbäumen, Hasel oder Weide und kleine Mengen Gemüse. Futtermischungen sollten getreide- und zuckerfrei sein.

Diese Futtermittel solltest du meiden

  • Obst, auch in getrockneter Form, etwa Rosinen oder Apfelchips
  • Joghurtdrops, Knabberstangen mit Honig und andere süße Snacks
  • Getreidereiche Mischungen mit Pellets, Melasse oder Zuckerzusatz
  • Fettreiche Samen und Nüsse in größeren Mengen
  • Plötzliche Futterwechsel, die den empfindlichen Darm belasten

Futterumstellungen gehst du immer langsam an. Wenn ein Degu auffällig viel trinkt, häufig uriniert oder trübe Augen bekommt, solltest du zeitnah eine Tierarztpraxis aufsuchen.

Beschäftigung: Graben, Nagen, Klettern

Degus sind den ganzen Tag beschäftigt. In der Natur graben sie Baue, sammeln Futter und halten Ausschau nach Feinden. Diese Bedürfnisse musst du auch im Gehege bedienen, sonst entstehen Langeweile und Verhaltensstörungen.

  • Buddelkiste: mit Erde, Sand oder tiefer Einstreu für ausgiebiges Graben
  • Nagematerial: frische Zweige, Wurzeln und unbehandeltes Holz
  • Kletterlandschaft: Äste, Korkröhren und Steine auf verschiedenen Ebenen
  • Futtersuche: Kräuter und Heu im Gehege verstecken statt nur in den Napf legen
  • Sandbad: täglich zugänglich, wichtig für die Fellpflege

Das Sandbad richtig anbieten

Degus pflegen ihr Fell nicht mit Wasser, sondern mit Sand. Das Wälzen entfernt überschüssiges Fett aus dem Fell und gehört gleichzeitig zum Sozialleben, weil die Tiere oft gemeinsam baden. Eine flache, schwere Schale aus Keramik mit feinem Chinchillasand ist ideal.

Den Sand siebst du regelmäßig durch und tauschst ihn aus, sobald er verschmutzt ist. Steht das Bad dauerhaft im Gehege, wird es schnell zur Toilette.

Wer Degus als Haustiere hält, erlebt ein lebhaftes Treiben. Genau das macht den Reiz dieser Tiere aus, verlangt aber regelmäßige Pflege und Erneuerung der Einrichtung.

Degu sitzt aufmerksam auf der Einstreu im Gehege
Degus sind neugierig und brauchen viel Beschäftigung. Foto: Sarah Broady / Unsplash

Umgang: Vertrauen statt Kuscheln

Degus können zahm werden, mögen aber selten das Hochheben oder Herumtragen. Sie sind Fluchttiere und fühlen sich am Boden sicherer. Den Kontakt baust du am besten über Futter und Geduld auf.

So gewöhnst du Degus behutsam an dich:

  1. Eingewöhnung abwarten: Gib den Tieren nach dem Einzug einige Tage Ruhe, beschränke dich auf Füttern und Reinigen.
  2. Regelmäßig präsent sein: Setze dich täglich ans Gehege und sprich ruhig mit den Tieren.
  3. Futter aus der Hand: Biete einen getrockneten Kräuterzweig auf der flachen Hand an.
  4. Neugier zulassen: Lass die Degus von sich aus auf die Hand klettern, statt nach ihnen zu greifen.
  5. Richtig hochnehmen: Wenn nötig, umfasse den Körper sanft mit beiden Händen von unten.
  6. Nie am Schwanz greifen: Die Schwanzhaut kann abreißen und wächst nicht nach.

Achtung beim Schwanz

Die Bundestierärztekammer weist ausdrücklich darauf hin, dass du einen Degu niemals am Schwanz festhalten darfst. Bei Gegenwehr kann sich die Haut der Schwanzspitze ablösen. Der freiliegende Teil stirbt ab, und der Schwanz wächst anders als bei Eidechsen nicht nach.

Für wen eignen sich Degus als Haustiere?

Degus als Haustiere passen zu Menschen, die gern beobachten und Freude an aktiven, tagaktiven Tieren haben. Für kleine Kinder sind sie wenig geeignet, weil sie nicht gestreichelt oder herumgetragen werden möchten. Rücksichtsvolle Jugendliche können unter Aufsicht Verantwortung übernehmen.

Eltern sollten bedenken, dass die Tiere viele Jahre alt werden. Die Verantwortung bleibt bei den Erwachsenen, auch wenn das Interesse der Kinder nachlässt. Wer unsicher ist, welches Tier zur Familie passt, findet in unserem Hunderassen Vergleich Anregungen, wie man Bedürfnisse und Alltag ehrlich abgleicht.

Kosten und Zeitaufwand

Die Anschaffung der Tiere ist der kleinste Posten. Ein großes, nagefestes Gehege mit Ebenen, Laufrad und Einrichtung kostet deutlich mehr als ein einfacher Käfig. Dazu kommen laufend hochwertiges Heu, Kräuter, Einstreu, Sand und regelmäßige Tierarztbesuche.

Auch die tägliche Pflege braucht Zeit. Wer Degus als Haustiere hält, füttert frisch, kontrolliert die Tiere, reinigt Toilettenecken und tauscht angenagte Einrichtung aus. Für den Urlaub brauchst du eine zuverlässige Betreuung, die sich mit Degus auskennt.

Degus, Hamster oder Kaninchen?

Wer Kleintiere sucht, die tagsüber aktiv sind, ist mit Degus gut beraten. Wer lieber einen Hamster halten möchte, braucht dagegen abends Zeit und Freude an einem Einzelgänger. Kaninchen brauchen wiederum noch deutlich mehr Fläche und eignen sich gut für Garten und Wohnung.

Gesundheit: Zähne und Augen im Blick

Degus verbergen Krankheiten lange. Ein täglicher Blick auf Verhalten, Fell, Augen und Kot hilft, Probleme früh zu erkennen. Die Bundestierärztekammer nennt Teilnahmslosigkeit, struppiges Fell, weichen Kot, verklebte oder trübe Augen und deutliche Gewichtsveränderungen als Gründe für einen Tierarztbesuch.

Besonders anfällig sind die Zähne. Fehlstellungen oder zu lange Zähne führen zu Fressproblemen und müssen tierärztlich behandelt werden. Viel Heu und Nagematerial helfen, den natürlichen Abrieb zu fördern.

Suche dir schon vor dem Einzug eine Tierarztpraxis, die Erfahrung mit Heimtieren und Nagern hat. Nicht jede Kleintierpraxis behandelt regelmäßig Degus, und im Notfall zählt jede Stunde. Wer Degus als Haustiere hält, ist mit einer festen Anlaufstelle deutlich entspannter.

Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz hat für Degus ein eigenes Merkblatt zur Heimtierhaltung veröffentlicht. Es fasst die Ansprüche kompakt zusammen und eignet sich gut zur Vorbereitung auf die Anschaffung.

Fazit: Degus als Haustiere für Geduldige

Degus als Haustiere sind ideal für alle, die tagaktive, gesellige Nager beobachten möchten und bereit sind, in ein großes, nagefestes Gehege zu investieren. Mindestens zwei Tiere, eine zuckerfreie Ernährung mit viel Heu und täglich frisches Beschäftigungsmaterial bilden die Basis.

Kuscheltiere sind Degus nicht, und für kleine Kinder eignen sie sich kaum. Wer jedoch Geduld mitbringt, gewinnt das Vertrauen dieser klugen Tiere und erlebt jeden Tag ein lebendiges Miteinander in der Degu-Gruppe.

Häufige Fragen zu Degus als Haustiere

Wie viele Degus sollte ich halten?

Halte mindestens zwei Degus, gern auch eine kleine Gruppe. Einzelhaltung ist für die geselligen Tiere nicht artgerecht und führt zu Stress und Verhaltensstörungen. Bewährt haben sich gleichgeschlechtliche Geschwisterpaare oder ein kastriertes Männchen mit mehreren Weibchen. Unkastrierte Pärchen solltest du vermeiden, weil sich Degus schnell vermehren.

Wie alt werden Degus?

Degus werden in menschlicher Obhut meist etwa fünf bis sieben Jahre alt, manche auch älter. Entscheidend sind eine zuckerfreie Ernährung, ein großes Gehege und regelmäßige Gesundheitskontrollen. Wer Degus als Haustiere anschafft, sollte diesen Zeitraum einplanen und klären, wer sich im Urlaub oder bei Krankheit um die Tiere kümmert.

Warum dürfen Degus keinen Zucker fressen?

Degus sind an karges, zuckerarmes Futter angepasst. Zuckerhaltige Nahrung wie Obst, Trockenfrüchte oder süße Snacks kann bei ihnen Diabetes auslösen. Typische Folgen sind starker Durst, häufiges Urinieren und eine Trübung der Augenlinse bis zur Erblindung. Bei solchen Anzeichen solltest du zeitnah eine Tierarztpraxis aufsuchen.

Sind Degus als Haustiere für Kinder geeignet?

Für kleine Kinder sind Degus nur bedingt geeignet, weil sie nicht gern hochgehoben oder gestreichelt werden. Rücksichtsvolle Jugendliche, die gern beobachten, können sich unter Aufsicht der Eltern gut um Degus kümmern. Die Verantwortung bleibt aber bei den Erwachsenen, zumal die Tiere mehrere Jahre alt werden.

Wie groß muss ein Degu-Gehege sein?

Die Bundestierärztekammer nennt für zwei Degus mindestens 100 × 50 × 100 cm. Viele Tierschutzorganisationen empfehlen deutlich mehr, mit mehreren Ebenen und insgesamt bis zu 2 m² nutzbarer Fläche. Das Gehege muss nagefest sein, etwa aus Glas und Metall, und braucht eine tiefe Einstreu, ein Sandbad und ein Laufrad.

SA

Über Sophie Albers

Ressort Kleintiere

Sophie Albers betreut das Ressort Kleintiere. Seit ihrer Kindheit hält sie Kaninchen und Meerschweinchen und schreibt über Gehege, Gruppenhaltung und artgerechte Beschäftigung.

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