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Hufpflege beim Pferd: So bleiben Hufe gesund und belastbar

Hufpflege beim Pferd beginnt mit dem täglichen Auskratzen. So erkennst du Strahlfäule, Risse und Hufrehe früh und planst Hufschmied und Barhufpflege richtig.

Miriam Kaya

15. Okt. 2026

10 Min.

Reiterin kratzt einen Vorderhuf aus, tägliche Hufpflege beim Pferd

Hufpflege beim Pferd entscheidet darüber, ob dein Pferd viele Jahre gesund und schmerzfrei läuft. Ein Pferd trägt sein ganzes Gewicht auf vier vergleichsweise kleinen Hufen, die zugleich Stoßdämpfer, Pumpe für den Blutkreislauf und Sinnesorgan sind. Ein alter Stallspruch bringt es auf den Punkt: Ohne Huf kein Pferd.

Die gute Nachricht: Die meisten Hufprobleme kündigen sich früh an, und konsequente Hufpflege beim Pferd macht sie sichtbar. Wer täglich ein paar Minuten investiert, bemerkt Steine, Risse, Gerüche oder Wärme, lange bevor eine Lahmheit entsteht. Den Rest übernimmt ein Profi im festen Rhythmus.

Kurz gesagt: Gute Hufpflege beim Pferd besteht aus drei Bausteinen: Du kratzt die Hufe täglich aus und kontrollierst sie auf Steine, Risse, Geruch und Wärme. Ein Hufschmied oder Hufpfleger bearbeitet die Hufe in der Regel alle sechs bis acht Wochen. Dazu kommen trockener Untergrund, viel Bewegung und eine ausgewogene Fütterung.

So ist der Pferdehuf aufgebaut

Wer weiß, wie ein Huf funktioniert, gestaltet die Hufpflege beim Pferd gezielter. Von unten betrachtet erkennst du drei Bereiche, die bei der täglichen Kontrolle eine Rolle spielen. Jeder davon hat eine eigene Aufgabe und eigene Schwachstellen.

  • Hufwand: Der sichtbare, harte Hornmantel trägt einen Großteil des Gewichts und schützt das empfindliche Innere.
  • Sohle: Die leicht gewölbte Unterseite schützt das Hufbein von unten und sollte fest und nicht druckempfindlich sein.
  • Strahl: Das keilförmige, elastische Horn in der Mitte federt Stöße ab und unterstützt bei jedem Schritt die Durchblutung.
  • Weiße Linie: Die Verbindungszone zwischen Wand und Sohle ist eine typische Eintrittspforte für Keime.
  • Ballen: Die weichen Polster am hinteren Ende dämpfen das Auffußen.

Das Hufhorn wächst ständig nach, als grober Richtwert gilt knapp ein Zentimeter pro Monat. Wie schnell es wächst, hängt von Jahreszeit, Fütterung, Bewegung und dem einzelnen Pferd ab. Deshalb gehört die regelmäßige Bearbeitung durch einen Profi fest zur Hufpflege beim Pferd.

Tägliche Hufpflege beim Pferd: Schritt für Schritt

Das Auskratzen ist der wichtigste Teil der täglichen Hufpflege beim Pferd, und du brauchst dafür nur einen Hufkratzer mit Bürste. Am besten kontrollierst du die Hufe vor und nach jedem Reiten sowie nach dem Weidegang. Gerade bei Pferden in Gruppenhaltung lohnt sich ein fester täglicher Termin.

  1. Pferd sicher anbinden: Stelle dich seitlich neben die Schulter, nie direkt hinter oder vor das Bein.
  2. Bein aufnehmen: Streiche mit der Hand am Bein entlang nach unten und gib am Fesselkopf ein klares Signal, etwa einen leichten Druck.
  3. Huf auskratzen: Arbeite von den Trachten zur Zehe und reinige besonders die seitlichen Strahlfurchen, ohne in den Strahl zu stechen.
  4. Sohle abbürsten: Entferne Erde und Einstreu, damit du Sohle, weiße Linie und Strahl gut erkennst.
  5. Kontrolle durchführen: Achte auf Fremdkörper, Risse, schwarze schmierige Stellen, unangenehmen Geruch und lose Eisen.
  6. Wärme prüfen: Lege die Hand an die Hufwand und vergleiche alle vier Hufe miteinander, ein deutlich wärmerer Huf ist ein Warnsignal.

Setze den Huf danach ruhig ab, statt ihn fallen zu lassen. Junge oder unsichere Pferde lernen das Hufegeben am besten mit kurzen Übungseinheiten und Lob. Geduld zahlt sich aus, denn der Hufschmied arbeitet später mit einem gelassenen Pferd deutlich sicherer.

Nahaufnahme beim Auskratzen: Hufpflege beim Pferd mit Hufkratzer und Bürste
Beim Auskratzen arbeitest du immer von den Trachten Richtung Zehe. Foto: Jonathan Bean / Unsplash

Hufpflege beim Pferd nach dem Ausritt

Nach Geländeritten sitzen oft kleine Steine oder Äste in den Strahlfurchen. Kratze die Hufe deshalb gleich nach dem Absatteln aus und kontrolliere bei beschlagenen Pferden, ob die Eisen noch fest sitzen. Im Sommer lohnt sich zusätzlich ein Blick in die Fesselbeuge: Dort sitzen gern Zecken, ähnlich wie bei den Zecken beim Hund, die sich nach dem Spaziergang im Fell verstecken.

Hufe waschen und fetten?

Wasser und Pflegemittel sind bei der Hufpflege beim Pferd kein Ersatz für das Auskratzen. Gesundes Horn braucht in der Regel keine tägliche Behandlung, ständiges Abspritzen und anschließendes Fetten kann das Horn sogar aufweichen. Pflegemittel setzt du deshalb sparsam und gezielt ein, etwa bei sehr trockenen, spröden Hufen und nach Rücksprache mit deinem Hufschmied.

Barhuf oder Beschlag: Wie oft kommt der Profi?

Ob dein Pferd barhuf läuft oder Eisen trägt, hängt von Hufqualität, Nutzung und Boden ab. Viele Freizeitpferde kommen ohne Beschlag gut zurecht, Pferde mit dünnen Sohlen oder viel Arbeit auf hartem Untergrund brauchen dagegen oft Schutz. Diese Entscheidung triffst du am besten gemeinsam mit Hufschmied und Tierarzt.

Der richtige Rhythmus für Hufschmied und Hufpfleger

Die Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen des Bundeslandwirtschaftsministeriums halten fest, dass unbeschlagene Pferde in der Regel alle sechs bis acht Wochen auf Stellung und Abnutzung der Hufe zu kontrollieren sind. Das Merkblatt zur Pferdehaltung des Landkreises Uelzen nennt einen Rahmen von sechs bis zehn Wochen, in dem eine sachkundige Person die Hufe kontrolliert und pflegt. Beschlagene Pferde brauchen meist einen ähnlich engen Rhythmus, weil das Horn unter dem Eisen weiterwächst.

  • Barhufpferde: Kürzen und Ausbalancieren der Hufe alle sechs bis acht Wochen, bei schnellem Hornwachstum öfter.
  • Beschlagene Pferde: Umbeschlag in einem ähnlichen Abstand, auch wenn die Eisen noch nicht abgelaufen sind.
  • Fohlen und Jungpferde: Frühe und regelmäßige Kontrollen, weil sich Fehlstellungen in den ersten Lebensmonaten am besten korrigieren lassen.
  • Pferde mit Hufproblemen: Individuelle Intervalle nach Absprache mit Tierarzt und Hufbearbeiter.

Wer darf Hufe bearbeiten?

Den Beschlag regelt in Deutschland das Hufbeschlaggesetz. Ausdrücklich nicht davon erfasst sind die üblichen, alltäglichen Reinigungs- und Pflegearbeiten an den Hufen, also genau das, was du als Halter täglich tust. Das Kürzen und Korrigieren der Hufe überlässt du dagegen einer ausgebildeten Fachkraft.

Hufschmied raspelt einen Huf, regelmäßige Hufbearbeitung als Teil der Hufpflege
Barhuf oder beschlagen: Alle sechs bis acht Wochen gehört der Huf in Profihände. Foto: Lena Bauermeister / Unsplash

Typische Hufprobleme erkennen

Zur Hufpflege beim Pferd gehört, Veränderungen früh zu bemerken. Viele Probleme lassen sich gut behandeln, wenn sie rechtzeitig auffallen. Einige Warnzeichen sind dagegen echte Notfälle.

Strahlfäule

Strahlfäule erkennst du an schwarzer, schmieriger Masse in den Strahlfurchen und einem fauligen Geruch. Sie entsteht vor allem, wenn Pferde lange auf nasser, verschmutzter Einstreu oder in Matsch stehen. Gründliches Auskratzen, trockene Liegeflächen und eine fachgerechte Behandlung nach Rücksprache mit Hufschmied oder Tierarzt bringen sie meist wieder in den Griff.

Hufrisse und ausgebrochene Wände

Kleine Absplitterungen am Tragrand sind bei Barhufpferden häufig und wachsen heraus. Tiefe Risse, die bis an den Kronrand reichen oder sich bei Belastung bewegen, gehören dagegen in Profihände. Häufig stecken zu lange Intervalle, Fehlstellungen oder ein Wechsel zwischen sehr nassem und sehr trockenem Boden dahinter.

Hufrehe: ein Notfall

Hufrehe ist eine schmerzhafte Entzündung der Huflederhaut und kann bleibende Schäden verursachen. Typische Anzeichen sind warme Hufe, eine deutlich fühlbare Pulsation an der Fessel, klammer Gang auf hartem Boden und eine Haltung, bei der das Pferd die Vorderbeine weit nach vorne stellt. Bei diesem Verdacht rufst du sofort den Tierarzt und stellst das Pferd auf weichen Boden.

Hufabszess

Ein plötzliches, starkes Lahmen, bei dem das Pferd kaum noch auffußen will, deutet oft auf einen Abszess im Huf hin. Häufig ist der betroffene Huf warm, und die Pulsation ist verstärkt. Auch hier gilt: Tierarzt oder Hufschmied rufen, statt selbst am Huf zu schneiden.

Haltung und Fütterung für gesunde Hufe

Hufpflege beim Pferd beginnt nicht am Hufkratzer, sondern im Stall. Der Untergrund, die Bewegung und das Futter beeinflussen die Hornqualität jeden Tag. Wer hier ansetzt, beugt vielen Problemen vor.

  • Trockener Untergrund: Befestigte Fressplätze und Wege im Auslauf verhindern, dass die Hufe ständig im Matsch stehen.
  • Saubere Einstreu: Täglich misten, damit Ammoniak und Feuchtigkeit das Horn nicht angreifen.
  • Viel Bewegung: Jeder Schritt fördert die Durchblutung und damit das Hornwachstum.
  • Abwechslungsreicher Boden: Wechsel aus weichem und festem Untergrund trainiert die Hufe auf natürliche Weise.

Ob die Haltung im Offenstall oder in der Box stattfindet, macht für die Hufe einen spürbaren Unterschied. Im Offenstall bewegt sich das Pferd mehr, dafür ist der Auslauf bei Regen schnell aufgeweicht. In der Box ist der Boden trockener, aber Bewegungsmangel und Ammoniak können die Hufe belasten.

Fütterung und Hornqualität

Gesundes Horn braucht eine bedarfsgerechte Versorgung mit Energie, Eiweiß, Mineralstoffen und Spurenelementen. Nährstoffe wie Biotin, Zink oder Methionin werden in diesem Zusammenhang oft genannt, eine Ergänzung ist aber nur bei nachgewiesenem Mangel sinnvoll. Wie du die Grundration richtig aufbaust, erfährst du in unserem Ratgeber zum Thema Pferd füttern.

Übergewicht und zu viel Zucker im Futter erhöhen das Risiko für Hufrehe. Besonders das frische Frühjahrsgras ist für leichtfuttrige Pferde und Ponys heikel. Ein langsames Anweiden und eine kontrollierte Weidezeit gehören deshalb ebenfalls zur vorausschauenden Hufpflege beim Pferd.

Pferdebeine im matschigen Paddock, nasser Boden belastet die Hufgesundheit
Dauerhaft nasser Boden weicht das Horn auf und fördert Strahlfäule. Foto: Kevin Delvecchio / Unsplash

Ausrüstung für die Hufpflege beim Pferd

Für die tägliche Hufpflege beim Pferd brauchst du keine teure Ausstattung. Wichtiger als viele Produkte sind gutes Werkzeug, das sicher in der Hand liegt, und ein fester Platz in der Putzkiste. So hast du alles griffbereit, wenn dein Pferd von der Weide kommt.

  • Hufkratzer mit Bürste: Der Haken löst festsitzenden Schmutz, die Borsten reinigen Sohle und Strahlfurchen.
  • Stabile Handschuhe: Sie schützen deine Hände vor Schmutz, Keimen und scharfen Hornkanten.
  • Taschenlampe: Im dunklen Winterstall hilft sie, Risse, Fremdkörper oder Verfärbungen zu erkennen.
  • Notizbuch oder Handy: Halte Termine von Hufschmied und Tierarzt sowie Auffälligkeiten mit Datum fest.

Ein Foto der Hufe von unten und von der Seite alle paar Wochen zeigt dir, wie sich Form und Stellung entwickeln. Diese Bilder helfen auch deinem Hufschmied, Veränderungen zwischen zwei Terminen einzuschätzen. Viele Halter unterschätzen, wie viel eine gut dokumentierte Hufpflege beim Pferd über die Zeit verrät.

Hufpflege beim Pferd im Wechsel der Jahreszeiten

Jede Jahreszeit stellt die Hufe vor andere Aufgaben. Im Frühjahr wachsen sie oft schneller, im Sommer werden sie auf trockenem Boden hart und spröde, im Herbst und Winter weichen sie im Matsch auf. Passe deine Routine deshalb dem Wetter an.

Im Winter verlangt die Hufpflege beim Pferd besondere Aufmerksamkeit. Bei beschlagenen Pferden sammeln sich gern Schneeklumpen unter dem Huf, die das Laufen erschweren. Kratze sie nach dem Weidegang konsequent heraus und frage deinen Hufschmied nach geeigneten Lösungen für den Beschlag. Im Sommer achtest du stärker auf Risse und lässt die Hufe nicht ständig zwischen Nässe und Trockenheit wechseln.

Fazit: Hufpflege beim Pferd ist Teamarbeit

Gute Hufpflege beim Pferd lebt von Routine. Du kratzt täglich aus, schaust genau hin und bemerkst Veränderungen früh. Hufschmied oder Hufpfleger kümmern sich im festen Rhythmus um Balance, Länge und Beschlag.

Haltung und Fütterung bilden das Fundament: trockener Boden, viel Bewegung und eine ausgewogene Ration. Bei Warnzeichen wie Wärme, starker Pulsation oder plötzlicher Lahmheit zögerst du nicht und rufst den Tierarzt. So bleiben die Hufe deines Pferdes über viele Jahre belastbar.

Häufige Fragen zur Hufpflege beim Pferd

Wie oft sollte ich die Hufe meines Pferdes auskratzen?

Am besten täglich und zusätzlich vor und nach jedem Reiten. So entfernst du Steine und Schmutz und bemerkst Risse, Strahlfäule oder lose Eisen früh. Nach dem Weidegang oder einem Ausritt ins Gelände lohnt sich eine zusätzliche Kontrolle, weil sich dann besonders häufig Fremdkörper in den Strahlfurchen festsetzen.

Wie oft muss der Hufschmied kommen?

In der Regel alle sechs bis acht Wochen, unabhängig davon, ob dein Pferd barhuf läuft oder beschlagen ist. Das Horn wächst ständig nach und verändert sonst Stellung und Belastung der Gliedmaßen. Pferde mit Fehlstellungen oder Hufproblemen brauchen oft kürzere Abstände, die du mit Hufschmied und Tierarzt festlegst.

Woran erkenne ich Strahlfäule?

Strahlfäule zeigt sich durch schwarze, schmierige Masse in den Furchen neben dem Strahl und einen deutlich fauligen Geruch. In fortgeschrittenen Fällen wird der Strahl weich und empfindlich, manche Pferde lahmen sogar. Gründliches Auskratzen, trockene Einstreu und eine Behandlung nach Rücksprache mit Hufschmied oder Tierarzt helfen meist gut.

Wann ist ein Hufproblem ein Notfall?

Ein Notfall liegt vor, wenn dein Pferd plötzlich stark lahmt, kaum auffußen will oder die Hufe deutlich warm sind und die Pulsation an der Fessel kräftig spürbar ist. Diese Zeichen können auf Hufrehe oder einen Abszess hinweisen. Ruf dann sofort den Tierarzt und schneide nicht selbst am Huf herum.

Braucht jedes Pferd Hufeisen?

Nein, viele Pferde laufen gut barhuf, wenn Hufqualität, Haltung und Nutzung passen. Pferde mit dünnen Sohlen, Fehlstellungen oder viel Arbeit auf Asphalt und Schotter brauchen dagegen oft einen Beschlag oder einen anderen Hufschutz. Die passende Lösung findest du gemeinsam mit Hufschmied und Tierarzt.

MK

Über Miriam Kaya

Ressort Pferde

Miriam Kaya leitet das Ressort Pferde. Die Pferdewirtin hat jahrelang einen Offenstall geführt und schreibt über Haltung, Fütterung, Hufpflege und Gesundheit.

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