Was dürfen Pferde nicht fressen? Die Liste ist länger, als viele Reiter vermuten, und reicht von hochgiftigen Heckenpflanzen über unscheinbare Weidekräuter bis zu harmlos wirkenden Küchenresten. Manche Pflanzen töten schon in kleinen Mengen, andere schädigen die Leber schleichend über Monate.
Pferde meiden viele Giftpflanzen instinktiv, weil sie bitter schmecken. Auf kahlen Weiden, aus Langeweile oder getrocknet im Heu fressen sie sie aber trotzdem. Dazu kommen gut gemeinte Leckerbissen von Spaziergängern, die über den Zaun gereicht werden und schnell zur Kolik führen können.
Kurz gesagt: Was dürfen Pferde nicht fressen? Tabu sind vor allem Giftpflanzen wie Eibe, Thuja, Oleander, Goldregen, Jakobskreuzkraut, Herbstzeitlose und die Samen des Bergahorns. Auch Rasenschnitt, Brot in größeren Mengen, Kohl, Zwiebeln, Kartoffeln, Schokolade, Fleisch und verschimmeltes Futter gehören nicht in den Pferdemagen.
Was dürfen Pferde nicht fressen? Die gefährlichsten Giftpflanzen
Einige Pflanzen sind für Pferde so giftig, dass schon wenige Bissen lebensgefährlich werden. Die folgenden Arten solltest du sicher erkennen und konsequent von Weide, Paddock und Reitweg fernhalten.
Eibe
Auf die Frage „Was dürfen Pferde nicht fressen?“ nennen erfahrene Pferdeleute meist zuerst die Eibe. Die Eibe gehört zu den gefährlichsten Pflanzen für Pferde, alle Pflanzenteile außer dem roten Samenmantel sind giftig. Pferde gelten laut einem Merkblatt der Veterinärmedizinischen Universität Wien als besonders empfindlich, schon kleine Mengen können zum Tod durch Kreislaufversagen führen. Gefährlich sind vor allem Heckenschnitt und abgebrochene Zweige, die über den Zaun fallen.
Was dürfen Pferde nicht fressen, wenn die Weide an Gärten grenzt?
Thuja und Kirschlorbeer stehen in vielen Gärten direkt an der Weidegrenze. Thuja kann Magen-Darm-Entzündungen, Krämpfe und Nierenschäden auslösen, Kirschlorbeer führt zu Atemnot, Muskelzittern und Krämpfen. Auch Heckenschnitt von Eibe, Liguster oder Buchsbaum gehört niemals auf die Weide.
Oleander und Goldregen
Oleander ist stark herzwirksam. Laut dem Wiener Merkblatt sind bereits 15 bis 20 Gramm für ein Pferd tödlich. Auch der Goldregen löst Schwitzen, Zittern und Kolik aus und kann tödlich enden.
Jakobskreuzkraut
Das gelb blühende Jakobskreuzkraut, auch Jakobs-Greiskraut genannt, breitet sich auf vielen Weiden und an Wegrändern aus. Es enthält Pyrrolizidinalkaloide, die sich in der Leber anreichern und diese über lange Zeit schädigen. Die Giftwirkung ist kumulativ, auch viele kleine Mengen summieren sich.
Besonders tückisch: Beim Trocknen und Silieren verliert die Pflanze ihren bitteren Geschmack, das Gift bleibt aber erhalten. Laut dem Merkblatt des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums wird die Pflanze 30 bis 100 Zentimeter hoch, blüht von Juni bis September und trägt goldgelbe Blütenköpfchen mit 15 bis 25 Millimetern Durchmesser.
Bergahorn und atypische Weidemyopathie
Die Samen und Keimlinge des Bergahorns enthalten Hypoglycin A, das die gefürchtete atypische Weidemyopathie auslösen kann. Laut einer Information der Tierärztlichen Hochschule Hannover treten die Fälle gehäuft im Herbst und Frühjahr auf, die Sterblichkeit liegt bei bis zu 80 Prozent. Typisch sind plötzliche Steifheit, Muskelzittern und rotbrauner Urin.
Was dürfen Pferde nicht fressen, wenn sie auf der Weide stehen?
Diese Pflanzen gelten ebenfalls als giftig oder gesundheitsschädlich und werden oft übersehen:
- Herbstzeitlose: blüht im Herbst auf feuchten Wiesen, bleibt auch im Heu giftig
- Robinie: Rinde, Blätter und Samen sind für Pferde gefährlich
- Adlerfarn und Sumpfschachtelhalm: schädigen bei längerer Aufnahme, auch über das Heu
- Fingerhut, Maiglöckchen und Eisenhut: stark herzwirksam
- Buchsbaum, Rhododendron, Liguster und Efeu: häufig in Gärten und Parks
- Eicheln und Bucheckern: in größeren Mengen problematisch, vor allem im Herbst
- Johanniskraut: kann die Haut lichtempfindlich machen

Was dürfen Pferde nicht fressen? Tabus aus Küche und Kühlschrank
Nicht nur Pflanzen sind gefährlich. Viele Lebensmittel, die wir Menschen gern essen, schaden dem empfindlichen Verdauungssystem des Pferdes. Das gilt für Küchenreste ebenso wie für viele beliebte Leckerlis.
- Rasenschnitt: gärt schnell, kann Koliken und Hufrehe auslösen
- Brot und Backwaren: in größeren Mengen problematisch, quellen im Magen und schimmeln leicht
- Kohl, Hülsenfrüchte und Zwiebelgewächse: wirken blähend oder sind in größeren Mengen giftig
- Rohe oder grüne Kartoffeln: enthalten Solanin
- Schokolade und Süßigkeiten: enthalten Theobromin beziehungsweise viel Zucker
- Avocado: gilt für viele Tierarten als giftig
- Fleisch, Wurst und Milchprodukte: Pferde sind reine Pflanzenfresser
- Steinobst mit Kernen: Kerne können blausäurehaltig sein und zu Schlundverstopfung führen
- Große Mengen Fallobst: gärt im Darm und kann Koliken verursachen
Was dürfen Pferde nicht fressen, wenn Spaziergänger füttern?
Besonders gefährlich ist frischer Rasenschnitt. Er wird oft in guter Absicht über den Zaun gekippt, beginnt aber bereits nach kurzer Zeit zu gären. Pferde schlingen ihn gierig hinunter, und im Darm entstehen Gase, die zu schmerzhaften Koliken führen. Der hohe Zuckergehalt im frischen Gras kann zudem eine Hufrehe begünstigen.
Auch altes Brot, Kekse, Gartenabfälle oder Fallobst landen oft über den Zaun. Weil du nie weißt, wer was und wie viel verfüttert hat, ist ein generelles Fütterungsverbot für Besucher die sicherste Lösung.
Bei kleinen Leckerlis wie Möhren oder einem Apfelstück spricht wenig dagegen. Entscheidend ist die Menge: Obst und Gemüse sollten immer eine Ergänzung bleiben, niemals einen nennenswerten Teil der Ration ausmachen.
Ähnliche Regeln gelten übrigens bei Kleintieren, die ebenfalls ein empfindliches Verdauungssystem haben. Welche Lebensmittel für sie geeignet sind, erfährst du in unserem Ratgeber Was dürfen Kaninchen fressen.
Gesunde Alternativen: Diese Leckerlis sind erlaubt
Die Kehrseite der Frage „Was dürfen Pferde nicht fressen?“ ist die Suche nach sicheren Belohnungen. Gute Nachricht: Es gibt sie, solange du die Menge im Blick behältst und neue Futtermittel langsam einführst.
- Möhren: in Stücken oder längs geschnitten, damit sich nichts im Schlund verkeilt
- Äpfel und Birnen: entkernt und in kleinen Mengen
- Bananen: gelegentlich als Stück, gut für Pferde ohne Stoffwechselprobleme
- Rote Bete und Pastinaken: als Abwechslung zur Möhre
- Heucobs oder Grascobs: eingeweicht als energiearme Belohnung
- Kräuter wie Petersilie oder Pfefferminze: in kleinen Mengen
Für Pferde mit Equinem Metabolischem Syndrom, Hufrehe in der Vorgeschichte oder starkem Übergewicht gelten strengere Regeln, weil auch Obst und Möhren Zucker enthalten. Sprich die passenden Belohnungen in diesem Fall mit deinem Tierarzt ab. Für alle Pferde gilt: Leckerlis aus der Hand nur gezielt geben, damit kein Betteln oder Schnappen entsteht.
Futterfehler: Wenn erlaubtes Futter zum Problem wird
Nicht nur das Was, auch das Wie entscheidet über die Gesundheit. Selbst einwandfreie Futtermittel können schaden, wenn sie verdorben sind, falsch gelagert wurden oder plötzlich in großen Mengen gefüttert werden.
Schimmel und Staub im Heu
Schimmeliges, muffig riechendes oder stark staubiges Heu belastet Atemwege und Verdauung. Prüfe jede neue Charge mit Nase und Augen. Weißliche oder grünliche Beläge, Klumpen und ein dumpfer Geruch sind klare Warnsignale, solches Futter gehört nicht in die Raufe.
Verdorbene Silage
Silage und Heulage müssen einwandfrei verschlossen und schnell verbraucht werden. Beschädigte Ballen, Schimmel oder Erdbeimengungen können gefährliche Keime enthalten. Im Zweifel solltest du die Charge entsorgen und mit deinem Tierarzt oder Futterlieferanten sprechen.
Zu viel Kraftfutter und plötzliche Futterwechsel
Große Kraftfutterportionen überfordern den kleinen Pferdemagen. Gelangt zu viel Stärke in den Dickdarm, gerät die Darmflora aus dem Gleichgewicht. Wie eine ausgewogene Ration aussieht, erklärt unser Ratgeber zum Thema Pferd füttern.
Frühjahrsgras und Frostgras
Junges Gras im Frühjahr sowie Gras nach kalten Nächten mit viel Sonne kann viel Fruktan enthalten. Bei empfindlichen Pferden erhöht das das Risiko für Hufrehe. Gewöhne dein Pferd deshalb langsam an die Weide und begrenze die Weidezeit bei leichtfuttrigen Rassen.

So machst du Weide und Paddock sicher
Zu wissen, welche Pflanzen und Lebensmittel tabu sind, ist nur der erste Schritt. Mit einer regelmäßigen Kontrolle der Flächen und klaren Regeln für Besucher reduzierst du das Risiko deutlich:
- Weide begehen: Laufe Weiden und Paddocks vor dem Austrieb und dann regelmäßig ab, besonders im Frühjahr und Herbst.
- Pflanzen bestimmen: Lerne die wichtigsten Giftpflanzen zu erkennen, im Zweifel hilft eine Fachberatung oder ein Pflanzenbestimmungsbuch.
- Jakobskreuzkraut entfernen: Steche einzelne Pflanzen mit Wurzel aus, bevor sie blühen, und entsorge sie über den Restmüll.
- Bäume am Zaun prüfen: Achte auf Bergahorn, Eibe und Robinie in Weidenähe und zäune gefährdete Bereiche großzügig aus.
- Heu kontrollieren: Frag deinen Heulieferanten nach der Herkunft der Wiesen und prüfe Ballen stichprobenartig auf Giftpflanzen.
- Kahle Weiden vermeiden: Füttere auf abgegrasten Flächen Heu zu, damit die Pferde nicht auf Giftpflanzen ausweichen.
- Schilder aufstellen: Bitte Spaziergänger mit einem gut sichtbaren Schild, die Pferde nicht zu füttern.
- Nachbarn informieren: Sprich mit Anwohnern über Gartenabfälle und Rasenschnitt.
Eine überweidete Fläche ist besonders riskant. Wenn kaum noch gutes Gras vorhanden ist, knabbern Pferde auch an Pflanzen, die sie sonst links liegen lassen würden. Eine gute Weidepflege mit ausreichender Ruhezeit für die Flächen beugt deshalb nicht nur Hufrehe, sondern auch Vergiftungen vor.
Vergiftung beim Pferd erkennen und richtig handeln
Die Anzeichen einer Vergiftung hängen stark von der Pflanze und der aufgenommenen Menge ab. Manche Gifte wirken innerhalb von Minuten bis Stunden, andere zeigen sich erst nach Wochen durch Gewichtsverlust oder Leistungsabfall.
Mögliche Warnzeichen
- Kolikanzeichen wie Unruhe, Scharren, Wälzen oder Schwitzen
- Speicheln, Durchfall oder ausbleibender Kotabsatz
- Muskelzittern, Taumeln, Steifheit oder Festliegen
- Auffällige Herzfrequenz oder Atemnot
- Rotbrauner Urin, besonders im Herbst und Frühjahr
- Apathie, Appetitlosigkeit oder plötzlicher Gewichtsverlust
Was du im Verdachtsfall tust
Bei Verdacht auf eine Vergiftung rufst du sofort den Tierarzt, warte nicht ab, ob es von selbst besser wird. Entferne das Pferd von der Fläche, sichere wenn möglich Pflanzenreste oder Futterproben und notiere, wann die Symptome begonnen haben. Gib keine Hausmittel und keine Medikamente auf eigene Faust.
Viele Vergiftungssymptome ähneln einer Kolik. Wie du eine Kolik erkennst und was bis zum Eintreffen des Tierarztes zu tun ist, zeigt unser Ratgeber zur Kolik beim Pferd.

Fazit: Was dürfen Pferde nicht fressen?
Was dürfen Pferde nicht fressen? Vor allem Giftpflanzen wie Eibe, Thuja, Oleander, Jakobskreuzkraut, Herbstzeitlose und Bergahornsamen, dazu Rasenschnitt, größere Mengen Brot, blähendes Gemüse, Süßigkeiten, Fleisch und verdorbenes Futter. Wer diese Gefahren kennt, kann die meisten Vergiftungen verhindern.
Die beste Vorsorge ist ein wacher Blick: regelmäßige Weidekontrollen, sauberes Heu, klare Fütterungsregeln im Stall und ein freundliches Schild für Spaziergänger. Gerade im Herbst und Frühjahr lohnt sich die Extra-Runde über die Weide.
Zeigt dein Pferd trotz aller Vorsicht Vergiftungsanzeichen, zählt jede Minute. Rufe sofort den Tierarzt und bewahre Pflanzenreste für die Diagnose auf.
Häufige Fragen: Was dürfen Pferde nicht fressen?
Welche Pflanzen sind für Pferde am giftigsten?
Zu den gefährlichsten Pflanzen zählen Eibe, Oleander, Goldregen, Thuja, Fingerhut und Eisenhut, bei denen schon kleine Mengen lebensbedrohlich sein können. Auf Weiden sind Jakobskreuzkraut, Herbstzeitlose und die Samen des Bergahorns besonders gefürchtet. Lerne diese Pflanzen sicher zu erkennen und entferne sie konsequent aus der Reichweite deines Pferdes.
Dürfen Pferde Brot fressen?
Ein kleines Stück trockenes Brot schadet einem gesunden Pferd meist nicht, größere Mengen sind aber problematisch. Brot quillt im Magen, enthält viel Stärke und schimmelt leicht, was Koliken begünstigen kann. Altes, verschimmeltes Brot ist tabu. Besser geeignet sind Möhren, Apfelstücke oder spezielle Pferdeleckerlis in kleinen Mengen.
Warum ist Rasenschnitt für Pferde gefährlich?
Frischer Rasenschnitt beginnt sehr schnell zu gären, besonders wenn er auf einem Haufen liegt. Pferde fressen ihn gierig und in großen Mengen, im Darm entstehen dann Gase, die zu schweren Koliken führen können. Zusätzlich kann der hohe Zuckergehalt Hufrehe begünstigen. Kipp deshalb niemals Rasenschnitt auf die Weide oder in den Paddock.
Ist Jakobskreuzkraut auch im Heu giftig?
Ja, und gerade dort ist es besonders gefährlich. Beim Trocknen verliert die Pflanze ihren bitteren Geschmack, die giftigen Pyrrolizidinalkaloide bleiben aber erhalten. Pferde fressen das Kraut im Heu deshalb unbemerkt mit. Da sich die Giftstoffe in der Leber anreichern, können auch kleine Mengen über längere Zeit schwere Leberschäden verursachen.
Was tun, wenn mein Pferd etwas Giftiges gefressen hat?
Ruf sofort den Tierarzt, auch wenn dein Pferd noch keine Symptome zeigt. Hol es von der Weide, sichere Pflanzenreste oder Futterproben und notiere den Zeitpunkt. Gib keine Hausmittel oder Medikamente auf eigene Faust. Je schneller der Tierarzt behandeln kann, desto besser sind die Chancen für dein Pferd.